Klang gewordene Handschrift – Teil 3: Was ist besser als ein Stereo-Mikrofon? Genau – zwei Stereo-Mikrofone!

 Klang gewordene Handschrift 

– Teil 3: Was ist besser als ein Stereo-Mikrofon? 

Genau – zwei Stereo-Mikrofone!


Es gibt Dinge, die sind in der Welt der Audiotechnik schlicht Luxus. Ein edles Boutique-Stereomikrofon zum Beispiel – handgefertigt, einzigartig im Klang, ein Werkzeug, das nicht nur Signale aufnimmt, sondern Charakter und Atmosphäre konserviert. Aber wie es oft so ist: Wenn etwas schon unglaublich gut ist, fragt man sich unweigerlich: Geht es noch besser?

Die Antwort: Ja! Und zwar mit zwei Boutique-Stereomikrofonen.

Während ein einzelnes Stereo-Mikrofon bereits eine erstaunliche Räumlichkeit und Tiefe einfängt, eröffnet ein zweites Mikrofon eine ganz neue Dimension. Plötzlich wird es möglich, Aufnahmesituationen nicht nur realistisch, sondern immersiv zu gestalten. Ein Orchester klingt, als würde man mitten zwischen den Musiker:innen sitzen. Ein Chor schwebt förmlich durch den Raum. Selbst eine einfache Akustikgitarre wirkt, als würde sie nicht nur im Stereopanorama, sondern im dreidimensionalen Raum Gestalt annehmen.

Die Vorteile im Doppelpack

  • Flexibilität: Zwei Stereo-Mikrofone erlauben es, unterschiedliche Setups zu kombinieren (etwa ORTF, Blumlein und AB) und so je nach Musikstil und Raum die perfekte Mischung aus Präzision und Weite zu finden.

  • Immersives Recording: Für Atmos- oder Surround-Produktionen wird das Setup zum Traum. Mit vier perfekt aufeinander abgestimmten Kapseln lassen sich Räume erfassen, die weit über klassische Stereotechnik hinausgehen.

  • Einzigartiger Klang: Da es sich um selbstgebaute Mikrofone handelt, trägt jedes nicht nur meine Handschrift im Design, sondern auch eine kleine klangliche Eigenheit. Zusammen entsteht ein unverwechselbarer Sound, der kein Serienprodukt dieser Welt replizieren kann.


Die Wahl der Kapsel: Arienne Audio „Flat K47“ – Analog trifft Klarheit

In beiden Mikrofonen steckt eine Kapsel, die eine bewusste stilistische Entscheidung ist. Anders als klassische K47-Varianten, die eine ausgeprägte Betonung im oberen Mittenbereich haben, bietet die Arienne Audio Flat K47 einen glatten, gleichmäßigen Frequenzgang ohne Anhebung in den oberen Mitten.

Diese Flat-K47 wurde ursprünglich nicht für den Handel konzipiert. Sie wurde in kleinen Stückzahlen in Michigan (USA) handgefertigt. Angesichts der hohen Nachfrage wird sie nun offiziell reproduziert.

Besonders bemerkenswert: Die Kapsel liefert durchgehend konsistente Klangqualität. Sie weist weniger als 1 dB Abweichung zwischen Vorder- und Rückseite auf.

Klangliche Charakteristik

  • Neutral und fein abgestimmt – Musik spielt mit Klarheit und ohne auffällige Farbgebung.

  • Vielseitig einsetzbar – ob Gesang, Sprache, Akustikinstrumente oder Amps, die Flat K47 liefert präzise und unaufgeregt.

  • Professionelle Konsistenz – gleichbleibender Klang unabhängig von Ausrichtung oder Setup.

Durch die Kombination von zwei identischen Flat-K47-Kapseln in Mikrofonen entsteht eine klangliche Kohärenz, die technisch anspruchsvoll ist und zugleich feinfühlig wirkt:

  • In Stereo-Anwendungen fügt sich ein weites, luftiges Klangfeld in den Raum ein.

  • Für anspruchsvolle Formate wie Dolby-Atmos-Aufnahmen oder Ambisonics eröffnen sich dank der Linearität im Frequenzgang völlig neue kreative Freiheit, ohne, dass der Klang durch Peaks gestört wird.


Das Klanguniversum



Neben dem Einsatz als Stereomikrofone verwende ich die beiden Mikrofone auch gerne einzeln, zum Beispiel für Gesangsaufnahmen oder um einen Gitarrenverstärker aufzunehmen. Der lineare Frequenzgang der Flat-K47-Kapseln ist dabei ein echter Vorteil: Er liefert mir ein neutrales Signal, das sich hervorragend als Grundlage eignet, es in (fast) jedes Mikrofon zu Verwandeln.

Mithilfe digitaler Tools habe ich die Möglichkeit, die Aufnahmen im Nachhinein so klingen zu lassen, als wären sie mit den unterschiedlichsten Mikrofontypen gemacht worden – von alten Vintage-Legenden bis hin zu modernen Kondensator- oder Bändchenmikrofonen. Ich nutze das oft, um Stimmen oder Instrumente im Mix besser einordnen zu können, ohne dass ich dafür gleich das Mikrofon wechseln muss.




Praktisch ist auch, dass ich Richtcharakteristiken oder den Nahbesprechungseffekt nachträglich anpassen kann. So kann ich mit einer Aufnahme verschiedene Varianten ausprobieren und schauen, was im jeweiligen Stück am besten funktioniert. Für mich ist das eine sehr flexible Arbeitsweise, die gut zu meinen selbstgebauten Mikrofonen passt, weil sie die klangliche Offenheit der Kapseln voll ausnutzt.









Ambisonics mit zwei Stereo-Mikrofonen – 3D-Sound 

Ambisonics ist eine Technik, bei der man den gesamten Raumklang (nicht nur links und rechts, sondern auch oben, unten, vorne, hinten) erfassen kann. Das funktioniert über Signale, die später decodiert werden in verschiedene Lautsprecheraufstellungen oder für binaurales Hören.

Mit Software für die Encodierung oder Decodierung lassen sich aus zwei Mikrofonen ein ambisonisches B-Format Signal erzeugen. Man kann damit also aus einem Stereo-Setup in gewisser Weise in den 3D-Raum übergehen. Hier ein Überblick, wie ich das in meinem Studio einsetze:


Wie ich Ambisonics mit beiden Stereo-Mikros nutze

  • Die Mikros werden idealerweise nahe zusammen und möglichst symmetrisch im Raum aufgebaut, so dass sie zusammen ein sauberes Stereofeld einfangen.

  • Durch den linearen Frequenzgang der Kapseln wird das Signal sehr neutral – wichtig, damit die Ambisonic-Berechnung nicht schon durch klangliche Färbungen verfälscht wird.

  • Dann wird das Signal mit AmbiCreator decodiert, um aus den zwei Stereo-Ausgängen (z. B. Front- und Rück- oder zwei seitliche Ausrichtungen) das B-Format zu erzeugen. Dieses enthält die Komponenten, die nötig sind für Ambisonics erster Ordnung (W, X, Y, Z).

  • Im Mix kann ich dann wählen: möchte ich das Ganze als traditionelle Stereoaufnahme nutzen, oder möchte ich Surround, 360°-Video-Output oder binaurales Hören erzeugen. Manchmal mische ich beides: das stereo-Signal als Basis plus das ambisonische Signal als Option für immersive Wiedergabe.


Vorteile & Grenzen

Vorteile:

  • Raumgefühl: Man bekommt ein viel echteres Raumempfinden, besonders bei Aufnahmen von Ensembles, Orchestern oder in Räumen mit interessanter Akustik.

  • Vielseitigkeit in der Nachbearbeitung: Wenn erst einmal das ambisonische B-Format vorhanden ist, sind viele Lautsprecher-Sets oder HRTF-Decoder möglich. Man ist nicht auf eine feste Lautsprecherkonfiguration festgelegt.

  • Produziert Content, der zukunftsorientiert ist (VR, 360°-Video, räumliche Audioformate), weil Ambisonics von mehr Plattformen und Anwendungen unterstützt wird.




Grenzen:

  • Dekodierung: Man braucht Software oder Plugins, die das B-Format richtig dekodieren können oder in Formate übersetzen.
  • Lautsprecher/Aufnahmebedingungen: Die Lautsprecher oder Kopfhörer, über die gehört wird, beeinflussen stark das Hörerlebnis. Auch Raumakustik und Platzierung der Mikrofone sind wichtig, damit die räumliche Wirkung optimal wird.

  • Je höher die Ambisonics-Ordnung (also mehr „Kanäle“ / Auflösungsfähigkeit), desto komplexer der Setupbedarf. Mit zwei Mikros macht man meistens erste Ordnung – das ist schon sehr gut, aber nicht unbegrenzt in der Präzision bei Höhen/Lagen etc.









Fazit

Mit den beiden eMikrofonen habe ich Werkzeug, mit deren Hilfe ich weit über klassische Stereoaufnahmen hinausgehen kann. Sie lassen sich flexibel einsetzen, ob als präzises Paar für akustische Instrumente, als variable Mikrofone mit Hilfe von Modeling-Software, oder als Ambisonics-Setup für dreidimensionalen Klang. Damit decken sie ein breites Spektrum an Aufnahme- und Produktionsszenarien ab, vom intimen Solisten bis hin zu immersiven Klangwelten.

Die Kombination aus eigenem Bau, hochwertigen Kapseln und moderner Software macht diese Mikrofone zu einer praxisnahen und zukunftssicheren Lösung, die sowohl im traditionellen Studiobetrieb als auch im Bereich von 3D-Audio überzeugt.




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